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Irgendwann vor einigen Jahren kam das Thema (neben dem des Pflanzenölumbaus) eines  Gespräches auch mal auf Elektroautos.

Meine Meinung damals: Mit dem Dreirad  fährt mein Sohn - mittreten möchte ich nicht...

Fahrzeuge die "familientauglich" wären, sind nicht erschwinglich. Ein gebrauchtes Auto zum Preis eines neuen - das kann nicht sein. Also musste etwas selbstgebasteltes her.   Ein Motor von da, Batterien von dort, eine Karosserie die alles tragen sollte... und, so war es dann auch -  eigentlich!

Durch Zufall fand ich ein  Inserat, in dem Antriebskomponenten für Elektroautos angepriesen wurden. Die  Teile (Motor und Inverter) waren neu und vom Preis her akzeptabel. Was noch fehlte war die Karosserie und ein paar Kleinteile. Wie sich herausstellte, handelte es sich beim Verkäufer der Antriebskomponenten um den seinerzeitigen Entwickler des Antriebs des VW-Citystromers. Er hatte vo

n VW den gesamten Lagerbestand mit Citystromerersatzteilen aufgekauft. Während eines Telefonats fragte er mich, ob ich denn schon eine Auto hätte, in dem ich die Teile einbauen könnte. Dem war natürlich nicht so. Er bot mir das Chassis eines ehemaligen Citystromers an, inklusive aller Komponenten die noch auf Lager waren - zum Okassionspreis sozusagen...




Einige Tage und 1700Km später, hatte ich die Teile zu Hause. Aus den spärlichen Informationen, die ich zu dem Fahrzeug hatte, konnte ich eruieren, welche der fehlenden Teile im originalen Zustand eingebaut waren.

Es fehlten unter Anderem:

  * Das Getriebe (CWP aus einem Seat Ibiza!)
  * Hydraulikleitungen für die Servolenkung
  * Motorhalterungen
  * Halter für  Unterdruckpumpe und Kühlwasserpumpe
  * Halter für den vorderen Batteriekorb
  * Netzbox
  * Heizelemente
  * Klimabox (Lüfter, Drehzahlzensor,...)
  * Box für das Ladekabel
  * alle Kabelbäume, Standheizung...

In dem leeren Fahrzeug war kein einziges Kabel mehr vorhanden. Die Inneneinrichtung war zum größten Teil zerstört, fehlte oder war defekt. Mein Fehler zu dieser Zeit: Mühsam kaufte ich immer wieder ein paar Teile bei E.... Jetzt bin ich klüger! Ein Golf 3 95er Baujahr mit der gewünschten Ausstattung und einem Motorschaden wäre mir um einiges günstiger gekommen.
Viele Teile der Golf 3 Originalverkabelung konnten verwendet werden. Für den Inverter, das BMAS und  das Zivan-Ladegerät (leider kein originales Citystromer Ladegerät) und die 230V  Verkabelung (Versorgung/Heizung/Kühlung) wurden eigene Kabelbäume angefertigt.
Anstatt der 50mm2 Leitungen zwischen wurden 70mm2 zwischen den Batteriekörben verlegt. Da das Zivan NG3 Ladegerät nicht für den Einbau im Motorraum geeignet ist, musste es in den Kofferaum ausgelagert werden. Dafür wurden Leitungen mit dem Querschnitt 2 x 10mm2 verlegt. Wo es notwendig war, wurden die Standard 3er-Golf Kabelbäume adaptiert.
Die Halterungen durfte ich an einem anderen Citystromer fotografieren und vermessen. Diese konnte ich somit auch nachbauen. Anschließend ließ ich alle Teile noch galvanisch verzinken.

Die Netzbox schaltet mittels Solid State Relais die PTC-Heizelemente für den vorderen und den  hinteren Batteriekorb, sowie den Lüfter in der Klimabox. Anhand der Schaltpläne, die ich vom Entwickler/Hersteller bekommen konnte, wurde die Box nachgebaut. Fürs erste nur als Provisorium (Lochrasterplatine) - denn ein solches hält bekanntlich am längsten! ;-)
Für die Klimabox hatte ich an Teilen nur das Gehäuse bekommen. Den Radiallüfter konnte ich für fünf Euro sehr günstig bei E... erstehen.

Ein wahrer Meilenstein beim Wiederaufbau des E-Fahrzeuges war der Kauf der Batterien! Bleibatterien halten nur relativ wenige Zyklen durch, haben eine hohe Selbstentladung und sind dazu noch sehr schwer. Da musste etwas anderes her...
Nach dem Lesen unzähliger Beiträge, in noch viel mehr Foren, stand fest: Es müssen Zellen in Lithiumtechnik sein. Lithium-Cobalt bzw. Lithium-Mangan waren mir zu unsicher. Man liest ja immer wieder Gruselgeschichten darüber. Zum Glück gibt es aber Zellen, die auf einer ähnlichen Chemie aufbauen, aber - so sagt man - kurzschlussfest sind und auch bei einer Penetration nicht gleich Feuer fangen oder einem um die Ohren fliegen.

Die 30 Zellen, die nun in Tschechien (Auto88.cz) gekauft wurden, sind LFP200AH von Thundersky. Mit 200AH haben diese Batterien eine höhere Kapazität als die ursprünglich eingebauten Bleibatterien aber nur die Hälfte von deren Gewicht (240Kg). Dadurch erhöht sich die Reichweite. Die Lebensdauer wurde mit 2000 bis 4000 Zyklen beziffert - korrekte Ladung und Entladung natürlich vorausgesetzt. Bevor die Batterien in das Fahrzeug durften, mussten Sie zum Teil neu gebündelt werden. Es hätte sonst Probleme beim Einbau in die Batteriekörbe gegeben...

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Der vordere Batteriekorb - noch nicht verkabelt...


Für die Überwachung und das Balancing der Batterien, sowie der Steuerung des kompletten Antriebssystems kann das originale BMAS des Citystromers leider nicht mehr verwendet werden. Aber gerade dieses hatte es in sich: Es misst aber die Gesamt- und Mittenspannung,  den Strom und die Temperatur. Zudem steuert es die Klimabox, die Ladung (Ladegerät, Rekuperieren) und Entladung (durch Leistungsreduzierung, Abschaltung des Antriebes,...).


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Das originale Batteriemanagement des Golf 3 -  Citystromer A3...



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mit dem Shunt...


Als Ersatz kommt demnach nur ein BMS in Frage, das einen Großteil der Anforderungen abdeckt. Hier gibt es keine große Auswahl...
Ein "sophistcated" BMS bieten die Firmen Reapsystem (UK), Elithion (US) sowie I+ME ACTIA (DE) an.
Meine Entscheidung ist auf das BMS von Elithion gefallen. Es verfügt über einen Daisy-Chain Bus (d.h. die einzelnen Zellmodule kommunizieren über EINE Leitung welche die Zellmodule verbindet) Spaghettiverkabelung ist damit nicht notwendig. Das System verfügt über einen zentralen Controller, ein separates HV-Frontend für die Spannungs- und Isolationsmessung (galvanische Trennung!) und kann in weiten Bereichen selbst parametriert werden.  Wichtig wird dieser Punkt, wenn man vor hat seinen Batterieblock um weitere Zellen zu ergänzen. Eine eventuell kostenpflichtige Anpassung durch den  Hersteller entfällt. Ein- und Ausgänge sind ebenfalls vorhanden: Eine Lüftersteuerung ist bereits implementiert (On/OFF bzw. PCM), Ausgänge zur Leistungsreduzierung, Rekuperation und Abschaltung ebenfalls.
Für die Anbindung an den Rest der Welt ist ein CAN-Bus vorhanden. An diesem wird auch das Display, in meinem Fall die Sparvariante mit einem LED-Balken für die Kapazitätsanzeige und einigen Status-LED's, angeschlossen.
Das Angebot liegt bereits vor, bestellt wird auch demnächst...

Geplant ist auch ein CAR-PC (CPOS) für die multimediale Berieselung sei es durch Musik oder durch Videos. Eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung wird ebenfalls darüber laufen, genauso wie die OBD-Diagnose und die Auswertung und graphische Darstellung der CAN-Daten. Das dazu notwendige CAN-Bus Interface wird natürlich selbst nachgebaut. Für eventuell Interessierte der Link zum [[http://www.kreatives-chaos.com/artikel/can-debugger"|CAN-Debugger]] - übrigens ein grenzgeniales Teil!


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[[Weiterlesen...]]

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